Statement

im Februar 2018
 

Geprägt haben mich unter anderem, meine Kinder- und Jugendjahre in einer Kleinstadt in der Schweiz, Lehrjahre und die Zusammenarbeit mit Choreografinnen und Musiker_innen in New York von 1983—1990, das Studium der bildende Kunst und in Cultural / Genderstudies an der ZHdK von 1999—2006, auch das Unterwegssein seit 30 Jahren in performativen Angelegenheiten mit Performances, Ausstellungen, Interventionen und Kollaborationen in öffentlichen Räumen, auf Musik- oder Kunstbühnen in Europa, Nord- und Südamerika und Asien, die Begegnungen mit Menschen und Orten durch die Situation der Performance und im Erleben und in der Auseinandersetzung mit performativen Praktiken in verschiedenen kulturellen Zusammenhängen. Das Unterrichten und Vermitteln von Tanz, Performance und somatischer Bewegungspraktik in unterschiedlichen Institutionen, an Tanz- und Kunstfestivals und in eigener Praxis seit den 90er Jahren überschneiden sich mit meiner Ausrichtung in der künstlerischen Praxis.

Motor meiner künstlerischen Arbeit sind mein Hintergrund in postmodernem Tanz, die Auseinandersetzung mit dem Körper in Bewegung, das Risiko und Spiel mit der Schwerkraft, der latente Verlust der Kontrolle und die Beziehung zu Raum und Kontext in seine verschiedenen Bedeutungsebene. Was wir Körper nennen, ist der (kleinste) gemeinsame Nenner, den Menschen mit anderen Lebewesen und Dingen teilen. Das Prekäre ist, dass er verletzlich ist, uns abhanden kommen kann und sich ständig transformiert, uns immer wieder erleben lässt, dass wir ihn evtl. gar nie besessen haben, er immer ein geteilter Körper ist, der sich mit Medien und anderen Lebewesen verbinden kann. Ich verstehe Körper verflochten in Raum und Kontexte, er kann nicht ohne sie gedacht werden.

Künstlerische Arbeit ist auch kulturelle Arbeit: Meine künstlerische Praxis greift in andere kulturelle Felder, ist translokal ausgerichtet. Ich bin im Austausch mit Künstler_innen in Indien, UK (Shetland, England) Kanada … und Mit-Initiantin von Plattformen und Netzwerken für performative Praktiken. 

Meine Performances sind performative Interventionen in Räumen, deren Geschichte und Kontext die Arbeit einerseits affizieren aber auch eine Dringlichkeit provozieren, die erst in der performativen Situation erlebbar wird. Performance könnte auch als Wissensgenerierung funktionieren, deren Fakten, Texte, Materialien in der performativen Situation in der Begegnung mit Anderen (Zuschauer_innen, Besucher_innen, Zeug_innen, Mitakteur_innen und mehr) wieder zur Disposition gestellt und neu verhandelt werden. Der somatische Aspekt von Sprache in Verbindung mit Bewegung und Raum wird (auch sozial-kulturell und politisch ästhetisch) auf die Probe gestellt.

Das Schreiben zu und über Performance, das Performative und auch aus dem Alltag heraus nimmt in meiner Arbeit immer mehr Platz ein.