Delhi Workshop and Performance Day

Body-Temperature


Während meiner von Pro Helvetia unterstützten Research-Residency in New Delhi organisierte ich ein Performance-Projekt mit indischen Künstler/innen. Ich verwendete das Projekt-Geld von der Pro Helvetia für die Organisation und Durchführung.  Die Grundidee war, mit den Organisator/innen vom Live Art Festival Bangalore 2011, an dem ich teilgenommen und das ich auch mitkonzipiert hatte, einen Performance-Tag in Delhi zu organisieren. Wir luden Künstler/innen aus Delhi und Kolkata an den Performance-Tag ein. Weitere Diskussionen zeigten, dass es sinnvoll wäre, einen zweitägigen Workshop für Studenten/innen und junge indischen Künstler/innen zu organisieren. Die Zusammenarbeit mit Smitha Cariappa und Suresh Kumar für das Delhi-Projekt stellte auch eine Weiterführung des Austausches seit 2011 dar. Workshop und Performance-Tag wurden, vermittelt durch den Kontakt von Pro Helvetia, am Gati Dance Forum in Khirki Extension Delhi durchgeführt.

Am Delhi-Workshop am 9. und 10. Dezember nahmen 15 junge indische Künstler/innen und Studenten/innen teil. Eine über die zwei Tage wachsende Anzahl von Besuchern/innen beobachteten nicht nur die Präsentationen, Diskussionen und Performance-Skizzen sondern nahmen auch daran teil und halfen sogar beim Organisieren. Manchmal waren gegen 30 Personen anwesend.
Am ersten Tag legte jede/r eingeladene Künstler/in seinen/ihren Begriff von Performance anhand seiner/ihrer Arbeit dar. Die unterschiedlichen Haltungen und Strategien des Performativen und seine Dehnung in den Alltag, führten zu teilweise heftigen Diskussionen. Die Workshop-Teilnehmer wurden diesen verschiedenen Haltungen und weit fassenden Ansätzen ausgesetzt. Am ersten Workshop-Tag klebte ich eine lange Papierbahn auf die Wand und notierte darauf Begriffe und Merkmale aus meiner Sicht und auf meine Arbeit bezogen. Ich forderte Workshop-Teilnehmer/innen und eingeladene Künstler/innen auf, diese «Karte» mit ihren Begriffen und Anmerkungen zu ihren Haltungen zu erweitern.
Am zweiten Tag machten wir Körper- und Wahrnehmungsübungen im Raum und setzten Performance-Konzepte und Skizzen der Workshop-Teilnehmer/innen um. Alle Beteiligten, Workshop-Teilnehmer/innen und eingeladene Künstler/innen, entwarfen gemeinsam den Ablauf des Performance-Tages und legten das Programm fest.

Am Delhi-Performance-Tag, am 11. Dezember, im öffentlichen Raum von Khirki Extension wurden zwischen 10 Uhr und 21 Uhr 15 Performances und Aktionen durchgeführt. Der Tag war eine spezielle Erfahrung für alle Beteiligten:
Die Performances vermischten sich mit den alltäglichen Geschehnissen auf der Strasse des ‚urban-village’ Khirki Extension, einer Nachbarschaft mit Migranten/innen aus Bihar, Afghanistan und Afrika. Die meisten Performances fanden im öffentlichen Raum statt. Zuschauer/innen, speziell wegen dem Performance-Tag in diesen Stadtteil angereist, und auch Fotografen waren angehalten, einen gewissen Abstand zu wahren, so dass die Performer/innen direkt den Geschehnissen auf der Strasse ausgesetzt waren und Passanten mit ihnen in Kontakt treten konnten. 

Am Abend um 6 Uhr war es bereits dunkel. Die letzten drei Performances fanden zuerst vor und  später innerhalb des Gati Dance Forum statt, begleitet von einer neugierigen Schar von Khirki-Bewohnern, Künstlern/innen aus Delhi und solche aus Europa, in Delhi auf der Durchreise.
Die Workshop-Teilnehmer/innen waren angehalten, während dem Workshop ein Szenario, einen Plan für eine Performance am Performance-Tag zu entwerfen oder bei Bedarf bei Aktionen von eingeladenen Künstlern/innen mitzumachen. So involvierte Suresh Kumar eine Gruppe von Teilnehmer/innen in eine Aktion im Innenraum und ich drei junge Frauen in meiner Aktion auf der Hauptstrasse von Khirki Extension.

Am Tag danach, am 12. Dezember, für den Delhi-Concluding-Day, wie wir ihn nannten, trafen sich alle Beteiligten mit interessierten Zuschauer/innen im Gati Dance Forum: Wir erinnerten uns gemeinsam an die Arbeiten des Performance-Tages: Sie wurden beschrieben, kommentiert und auch Anliegen, die daraus resultierten, formuliert. Wir tauschten Adressen und Informationen aus und fotografierten die «Performance-Landkarte» an der Wand.

Das Echo war positiv. Das Performance-Projekt in Delhi hat sich in die Reihe bereits bestehender organisatorischer Aktivitäten in Bangalore und Kolkata eingefügt und den Austausch zwischen mir und den indischen Künstler/innen weiter intensiviert. Eine Gruppe von Workshop-Teilnehmer/innen hatte  zusammen mit Suresh Kumar und Smitha Cariappa im Januar 2014 am Kolkata International Performance Art Festival teilgenommen. Ich habe drei indische Künstler_innen an «DER LÄNGSTE TAG, 16 Stunden non-stop Performances unter freiem Himmel» in Zürich, eingeladen.

mind map / Gedankenlandkarte von allen Workshop-Beteiligten

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