Alphabet of Encounter

don't look at me, see through me and overlook me

 

Ausgangspunkt

Ich habe den Titel der Veranstaltung (Kunst der Begegnung / Art of Encountering) und ihre Bedingungen als Zündung genommen für die inhaltliche Ausrichtung einer Performance in diesem Rahmen. Die Veranstaltung war eine Begegnung im eigentlichen Sinne des Wortes, da mit Künstler*innen aus Asien, die ich noch nie zuvor getroffen hatte. Die Gespräche vor, während und nach den Essen und auch die Präsenz der anderen Künstler*innen bei ihren Vorbereitungen und während der Open Sessions, denen ich als aktiv schreibende Beobachterin beigewohnt hatte, beeinflussten indirekt, wie das, was hier geschah, von mir wahrgenommen wurde und wie ich alsdann ‚an die Performance-Sache heranging’. Gemessen an diesen bilateralen Begegnungen wirkte der Performancerahmen im ‚white cube’ des Kasko-Ausstellungsraumes bei den Open Sessions am Donnerstag und Freitag und am eigentlichen Performanceabend am Samstag etwas artifiziell auf mich. Da zu erwarten war, dass der Abend mit Soloarbeiten am Samstag lange dauern könnte, fühlte ich mich gedrängt, meine Performance nicht länger als 15—20 Minuten anzusetzen und zu versuchen diesen Zeitrahmen mit einem klaren Anfang und Ende unter Kontrolle zu halten.
Ganz anders waren Rahmen und Situation am Sonntag im öffentlichen Raum des Hafenareals ein: hier überwiegte, dass ich mir nicht vorstellen konnte, wie sie zu kontrollieren wäre.

Performance
ALPHABET OF THE ENCOUNTER — don't look at me, see through me and overlook me

Am Sonntag war ein dreistündiger Performance-Anlass im öffentlichen Raum im Hafenareal, am Rhein geplant. Dieses Gebiet ist aktuell ein Zwischennutzungs-projekt. Es präsentiert sich als alternativer Ort des Wildwuchses und der Improvisation, mit temporären Gebäude-Hüttenstrukturen, die Cafés, Bars, Restaurants und Lounge-Bereiche sind. Auch einen besetzten Teil, mit Menschen, die hier wohnen, Sport-Zentrum und Atelier-Kontainer und Projekte von Künstler*innen gibt es hier. Es ist der Hotspot und die Ausgehmeile für Freitzeitsuchende.
Ich wollte mich vom Charakter dieses öffentlichen Raumes leiten lassen, die Unwägbarkeit der Situation, die sich hier bieten würde, nutzen, in diesen Raum eintauchen, in dem Menschen unterwegs sind und ihrer samstäglichen Freizeit frönen, Menschen die nicht Teil des Kunstpublikums unserer als Performance-Ereignis gestalteten Veranstaltung waren. Die Anlage meiner Intervention war zufallsbedingt, mit schwacher Kontrolle über die Situation und sie dauerte während der ganzen Performance-Veranstaltung, ca. 2 ½ Std. Die anderen Künstler*innen machten Solos, ein oder zwei auch Langzeit-Performances.
Ich benützte Material, das in Beziehung stand zu demjenigen, das ich in der Samstag-Performance benützt hatte: das rote T-Shirt mit der Beschriftung in tamilischer Sprache, die schwarzen Herrenschuhe mit den Metall verstärkten Sohlenspitzen und Absätzen, Panels mit Handholzhalterungen. Meine Intervention war dahingehend anders angelegt, als ich nicht wollte, dass die Zuschauer*innen mir folgen oder mir direkt zuschauen würden, da Begegnungen mit Passant*innen möglich sein sollten. So liess ich mich zurückfallen, bewegte mich hinter dem Performancepublikum oder weiter weg von ihm. Mein Bewegungsmodus war eine kinästhetische Erkundung der kritischen Zonen dieser Landschaft mit seiner ‚urbanen’ Möblierung. Ich testete mein Gewicht und liess mich von ihm leiten über Geländer, Sockel, Betonstrukturen, Hinweisschilder, kleinere und grössere Abfallkontainer, Mauern, Grassböden, grössere Metallgebilde, die Zeugen vergangener physischer Arbeit waren und ihre konkrete ehemalige Funktion nur vermuten liessen.

Das Alphabet dieser Zone:

. Eisenbahnpflock am Ende der Route
. grosser Spiegel auf Stange
. Baumaschine
. Kranschaufel
. Mauer paralell zur Wasserfront und die Eidechsen
. grosses Metallelement-Objekt-Körper (zu was hat es gedient, war das ein Transformator?)
. Anzeigetafel
. ein anderes, gleiches grosses_r Metallelement-Objekt-Körper wie vorher, mit Affichen und Graffiti auf der Rückseite (abgewendet von der Wasserfront)
. Abfalltonnen und Säcke voll Glas zwischen diesen
. Anzeigetafel auf Stange
. Betonpflock mit gelbem Metallgerüst
. Grosse weisse Metallbuchstaben BASEL KLYBECK
. Beton-Pflanzentöpfe bei der Schiffsanlegestelle
. Gebüsch
. Geländer, metallene Kontainer mit Pflanzen und Pflöcke für die Schiffstaue

Dieses Unterwegssein war körperlich anstrengend, einerseits weil ich auf einzelne Passant*innen zuging und versuchte mit ihnen ein Gespräch aufzubauen, was sich manchmal ganz natürlich ergab, als auch auf Widerstand ja Ablehnung stiess, und gleichzeitig meinen Bewegungsmodus aufrecht halten wollte.

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